Als Maßschneidermeisterin arbeite ich nicht nur mit Stoff und Faden. Ich arbeite mit Tradition und Geschichte, bin Modelliererin und Konstrukteurin, meinen Kund*innen gegenüber manchmal auch Psychologin oder Freundin. Präzises Arbeiten ist genauso wichtig wie Probleme lösen. Jeden Tag habe ich die unterschiedlichsten Kund*innen bei mir in der Werkstatt, mit den unterschiedlichsten Wünschen, auf die ich eingehen können muss. Jeden Tag lerne ich etwas neues dazu und jeden Tag bringe ich auch meinen Kund*innnen das Handwerk näher. Manchmal bin ich also auch Botschafterin - denn das Schneiderhandwerk ist mehr als nur "können Sie mal eben schnell? Da muss nur die eine Naht gemacht werden!"


Schneidermeisterin Rosalie Postatny

- Fränkin, bunt und vielseitig -

 

Geboren in Forchheim und aufgewachsen in Egloffstein habe ich schon als Kind die Tracht der Fränkischen Schweiz wahrgenommen. Die Begeisterung dafür wurde allerdings erst später geweckt. Das Schneiderhandwerk wurde mir aber wohl schon in die Wiege gelegt. Mein Großvater besaß bereits ab 1948 in Forchheim eine Schneiderei für Herren-Maßanzüge und meine Mutter saß als kleines Mädchen im „Schneidersitz“ auf dem Schneidertisch in seiner Werkstatt und erlernte später bei ihm das Handwerk.

 

Während ich zuerst eine industriell orientierte Ausbildung zur Modeschneiderin in Nürnberg absolvierte, entdeckte ich schon bald meine Vorliebe fürs Handwerk. In München, absolvierte ich meine  Ausbildung zur staatlich geprüften Modegestalterin und legte im Sommer 2011 die Meisterprüfung für das Maßschneiderhandwerk erfolgreich ab.

 

Zurück in meiner fränkischen Heimat arbeitete ich fast zwei Jahre als Schneidermeisterin und Werkstattleiterin in einem kleinem Betrieb in Roth bei Nürnberg und danach auch als Praxis-Lehrkraft an meiner alten Ausbildungsstätte, der Berufsfachschule für Bekleidung in Nürnberg. Mir fiel auf, dass der ‚Dirndl-Boom‘ auch vor Franken nicht halt gemacht hatte. In München war man sozusagen verpflichtet im Dirndl aufs Oktoberfest zu gehen. Doch was trägt Mann/Frau nun hier in Franken? Man kann doch nicht im Dirndl auf die Kerwa gehen?

 

Nach einiger Recherche und Erforschung alter Verarbeitungstechniken beschloss ich mich auf Trachten der Fränkischen Schweiz zu spezialisieren und mich Anfang 2014 selbstständig zu machen.

Zunächst nur im Nebenberuf, so nutzte ich die Zeit um mich mehr in das Thema einzuarbeiten. Anfangs nur auf Damentracht begrenzt, erarbeitete ich mir später auch die Schnitte und Verarbeitungstechniken der Herrentracht und arbeite nun mit den Trachtenexpertinnen Frau Dr. Jauernig (Trachtenberatung Bezirk Oberfranken) und Dagmar Rosenbauer und dem Fränkische Schweiz Verein zusammen. 

 

Seit Herbst 2016 befinde ich mich nun auf dem spannenden Weg in der vollen Selbstständigkeit, lerne jeden Tag dazu, bilde mich weiter und entwickle mich weiter. Den Trachten der Fränkischen Schweiz, folgten alsbald andere Gebiete wie zb die Tracht aus Gunzenhausen Weißenburg. Von den historischen Trachten war der Weg zu historischen Kostümen nicht weit und so entwickelt sich das Portfolio stetig weiter mit jedem einzelnen Auftrag und es wir mir nie langweilig ständig neues zu entdecken und zu erforschen. 

Maßschneiderei Forchheim, Rautenberg

In Erinnerung an meinen Großvater,

den ich leider nie kennenlernen konnte.